Zahnerkrankungen bei Degus
Zahnerkrankungen bei Degus
Zahnprobleme bei Degus
Zahnerkrankungen gehören leider zu den häufigeren gesundheitlichen Problemen bei Degus. Sie können verschiedene Ursachen haben. Neben der Ernährung spielen unter anderem genetische Faktoren, Fehlstellungen, Verletzungen und Veränderungen an den Zahnwurzeln eine Rolle.
Degus besitzen insgesamt 20 Zähne: vier Schneidezähne und 16 Backenzähne. Sowohl die Schneidezähne als auch die Backenzähne wachsen lebenslang nach. Der natürliche Zahnabrieb erfolgt vor allem durch die normale Kautätigkeit. Eine artgerechte, rohfaserreiche Ernährung mit ständig verfügbarem Heu ist deshalb ein wichtiger Bestandteil der Zahngesundheit.
Eine zu energiereiche oder zu wenig rohfaserreiche Ernährung kann dazu führen, dass weniger lange gekaut wird. Dadurch kann der natürliche Zahnabrieb beeinträchtigt werden. Heu und geeignetes Raufutter sollten deshalb den wichtigsten Bestandteil der Ernährung darstellen.
Welche Zahnprobleme können auftreten?
Bei Degus können unter anderem folgende Zahnerkrankungen vorkommen:
- Fehlstellungen der Schneide- oder Backenzähne
- übermäßiges Längenwachstum der Zähne
- scharfe Zahnspitzen und -kanten
- Zahnfrakturen
- Veränderungen und Verlängerungen der Zahnwurzeln
- Entzündungen und Abszesse
- Veränderungen des Zahnhalteapparates
- in schweren Fällen Veränderungen an Kieferknochen, Nasenhöhle oder angrenzenden Strukturen
Besonders häufig sind Fehlstellungen der Backenzähne. In einer wissenschaftlichen Untersuchung war die Backenzahnfehlstellung die häufigste festgestellte Zahnerkrankung bei den untersuchten Degus.
Warum sind Zahnerkrankungen bei Degus so problematisch?
Ein Problem bei Zahnerkrankungen ist, dass man Veränderungen an den Backenzähnen und Zahnwurzeln von außen häufig nicht erkennen kann.
Die sichtbaren Schneidezähne lassen sich relativ einfach kontrollieren. Die Backenzähne liegen dagegen weit hinten im Maul und sind deutlich schwieriger zu beurteilen. Zusätzlich können Veränderungen an den Zahnwurzeln entstehen, bevor sich ausgeprägte Veränderungen an den sichtbaren Zahnkronen zeigen. Deshalb kann eine bildgebende Untersuchung, insbesondere ein Röntgenbild des Schädels, bei Verdacht auf eine Zahnerkrankung sehr wichtig sein.
Eine Zahnerkrankung kann dadurch auch lange unbemerkt bleiben.
Mögliche Anzeichen einer Zahnerkrankung
Die Symptome sind nicht bei jedem Degu gleich. Mögliche Anzeichen sind:
- bevorzugtes Fressen von weicher Nahrung
- langsames oder erschwertes Fressen
- Fallenlassen von Futter
- vermehrtes Speicheln oder ein nasses Kinn
- Zähneknirschen
- Gewichtsverlust
- verminderte oder fehlende Futteraufnahme
- auffälliges Kauen
- langes Drehen oder Bearbeiten des Futters im Maul
- vermehrtes Krümeln
- weniger Aktivität
- Nasenausfluss oder häufiges Niesen
- tränende oder verklebte Augen
- Schwellungen im Gesichts- oder Kieferbereich
Einige dieser Symptome können auch bei anderen Erkrankungen auftreten. Sie sollten deshalb nicht automatisch als Zahnproblem interpretiert werden. Insbesondere Gewichtsverlust oder eine verminderte Futteraufnahme sollten bei einem Degu immer ernst genommen werden.
Die Untersuchung der Zähne
Die Schneidezähne können in vielen Fällen bereits bei einer normalen Untersuchung beurteilt werden. Die Backenzähne sind wesentlich schwieriger einzusehen.
Bei einem Verdacht auf eine Zahnerkrankung sollte deshalb ein Tierarzt aufgesucht werden, der Erfahrung mit Degus beziehungsweise kleinen Heimtieren hat. Je nach Situation kann eine gründliche Untersuchung des Mauls und eine bildgebende Diagnostik notwendig sein.
Insbesondere bei Verdacht auf Veränderungen der Zahnwurzeln kann ein Röntgenbild wichtige Informationen liefern. Studien zeigen, dass die Untersuchung und bildgebende Diagnostik der Zahnwurzeln bei Degus eine wichtige Rolle bei der Beurteilung von Zahnerkrankungen und deren Prognose spielen.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich immer nach der Ursache und dem Schweregrad der Erkrankung.
Je nach Befund können beispielsweise folgende Maßnahmen notwendig sein:
- Korrektur überlanger oder fehlgestellter Zähne
- Entfernung erkrankter Zähne
- Schmerzbehandlung
- Behandlung von Entzündungen oder Infektionen
- unterstützende Fütterung
- Anpassung der Ernährung
- regelmässige Kontrollen
Zähne sollten nicht eigenständig geschnitten oder gekürzt werden. Eine Zahnkorrektur gehört in die Hände eines entsprechend erfahrenen Tierarztes. Bei einer Zahnerkrankung können mehrere Behandlungen und regelmässige Kontrollen notwendig sein. Bei chronischen Erkrankungen kann eine langfristige Betreuung erforderlich sein.
Ernährung und Vorbeugung
Eine artgerechte Ernährung ist eine wichtige Grundlage für die Zahngesundheit.
Heu beziehungsweise geeignetes Gras sollte ständig zur Verfügung stehen und einen wesentlichen Bestandteil der Ernährung bilden. Zusätzlich können geeignete Kräuter und strukturreiches Futter angeboten werden. Das Futter sollte insgesamt rohfaserreich und zuckerarm sein.
Äste und geeignetes Nagematerial können für Beschäftigung und das natürliche Nageverhalten sinnvoll sein. Sie ersetzen jedoch nicht die für den Zahnabrieb entscheidende rohfaserreiche Ernährung.
Auch regelmässige Gewichtskontrollen sind hilfreich. Ein schleichender Gewichtsverlust kann eines der ersten Anzeichen einer Erkrankung sein.
Zahnerkrankungen können auch genetische Ursachen haben
Nicht jede Zahnerkrankung ist auf eine falsche Haltung oder Ernährung zurückzuführen.
Genetische beziehungsweise individuelle Faktoren können ebenfalls eine Rolle spielen. Deshalb kann auch ein Degu mit grundsätzlich guter Haltung und geeigneter Ernährung eine schwere Zahnerkrankung entwickeln.
Wichtig ist daher, bei auftretenden Symptomen nicht vorschnell dem Halter die Schuld zu geben. Entscheidend ist vielmehr, die Ursache möglichst früh zu erkennen und das Tier entsprechend behandeln zu lassen.
Unsere Erfahrungen
Leider mussten wir selbst erleben, wie schwerwiegend Zahnerkrankungen bei Degus verlaufen können.
Eine unserer Degudamen, Sula, zeigte zunächst verschiedene Symptome:
- auffälliges und häufiges Niesen
- ein teilweise verklebtes rechtes Auge
- Atmen mit geöffnetem Maul beziehungsweise den Eindruck einer verstopften Nase
- Futterkrümel rund um das Maul
- deutliche Gewichtsabnahme
- zunehmende Futterverweigerung
- später Aufnahme von Nahrung nur noch in Form eines Breis
- schliesslich vollständige Futterverweigerung
- deutlich verringerte Aktivität
Wir suchten mehrere Tierärzte auf. Leider konnte zunächst keine eindeutige Ursache festgestellt werden.
Erst bei einer späteren Untersuchung wurde ein Röntgenbild des Kopfes angefertigt. Dabei zeigten sich massive Veränderungen im Bereich der Zahnwurzeln. Auch bei ihrer Schwester Isa wurden entsprechende Veränderungen festgestellt.
Bei Isa trat ebenfalls vermehrtes Niesen auf. Ihre Zähne mussten deshalb regelmässig kontrolliert und behandelt werden. Leider verschlechterte sich ihr Zustand ebenfalls zunehmend.
Diese Erfahrungen haben uns gezeigt, wie wichtig es ist, bei wiederkehrendem Niesen, Gewichtsverlust, Fressproblemen oder Veränderungen an Augen und Nase auch an eine Zahnerkrankung zu denken.
Gerade wenn bei einer Untersuchung keine eindeutige Ursache an den sichtbaren Backenzähnen festgestellt werden kann, kann eine weiterführende Untersuchung inklusive bildgebender Diagnostik sinnvoll sein. Eine Erkrankung der Zähne ist nicht automatisch ein Zeichen dafür, dass der Halter etwas falsch gemacht hat. Auch genetische und individuelle Faktoren können eine Rolle spielen.
Unser wichtigster Rat
Beobachtet eure Degus aufmerksam und kontrolliert ihr Gewicht regelmässig.Wenn ein Degu weniger frisst, Gewicht verliert, häufig niest, speichelt, Futter fallen lässt oder sich auffällig verhält, sollte nicht lange abgewartet werden.
Zahnprobleme können sich bei Degus schnell zu einer ernsthaften Erkrankung entwickeln. Je früher die Ursache erkannt wird, desto besser sind die Möglichkeiten, dem Tier zu helfen.
Bei Verdacht auf eine Zahnerkrankung sollte immer ein Tierarzt hinzugezogen werden. Die Diagnose und Behandlung sollte nicht in Eigenregie erfolgen. Ein herzliches Dankeschön an Maya Dolder für die Bilder und an Sabine Rüfenacht für die Informationen.
Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine tierärztliche Untersuchung oder Behandlung.





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