Zahnerkrankungen bei Degus
Zahnprobleme
Zahnerkrankungen bei Degus sind ein häufiges Problem. Aber wie kommt’s? Nebst genetischen Hintergründen kann es auch an falscher Ernährung liegen. Im Fertigfutter ist meistens eher weichhaltiger Inhalt wie Pellets, Samen und Körner. Hingegen Blätter, Wurzeln, Blüten, Heu und Co zwingt die Degus dies mehrmals zu kauen und so eine Abnutzung der Backenzähne generiert. Frischfutter wie Gemüse oder Gräser erzielen ebenfalls eine Abnützung und unsere Vierbeiner nehmen Vitamine zu sich.
Ob die Schneidezähne wie auch die Backenzähne (Prämolaren und Molaren) beide können betroffen sein.
Verschiedene Arten von Zahnproblemen können bei den Degus beobachtet werden:
- Schneidezahn- und Backenzahnfrakturen
- Überstarkes Längenwachstum der Zähne,
- Scharfe Zahnspitzen, infizierte Zahnwurzeln und Zahnabszesse
Degus haben keine Probleme mit Zahnstein und Karies, denn alle 20 Zähne des Degus wachsen ihr Leben lang. Der Zahnwachstum wird durch die Kautätigkeit reguliert. Das Futter und die sich gegenüberliegenden Zähne sorgen dafür das die Zähne nicht zu lang wachsen und sich selber abschleifen.
Ein Hauptgrund für ungenügenden Zahnabrieb ist eine unausgewogene Ration Raufaser im Futter. Kauen an Käfigdrähten, Stürze oder anderweitige Unfälle können Frakturen an Zähnen hervorrufen oder gar zu Zahnverlust führen. Ich selber habe eine sechs Monatige alte Degudame die dauernd ihren untern linken Zahn verliert, dies bezüglich durch das Kauen am Käfiggitter. Bis jetzt ist er immer wieder nachgewachsen.
Stark verlängerte Schneidezähne sind normalerweise eine Folge von übermäßig gewachsenen, verlängerten Backenzähnen oder nicht vorhandenes Abnage Material. Daher ist es immer sehr wichtig, auch wenn einige Studien etwas anderes behaupten, Wurzeln, Äste und Zweigen im Käfig zu hinterlegen. Wenn die Schneidezähne zu lang wachsen, können Degus Schwierigkeiten haben, größere Futterstücke zu zerkleinern.
Verlängerte Backenzähne können beim kauen einen ungewöhnlich starken Druck auf die Zahnwurzeln des Degus ausüben. Das führt zu Schmerzen und beschädigten Wurzeln und endet manchmal in Wurzelabszessen.
Manche verlängerte Backenzähne entwickeln scharfe Kanten (Spikes) oder wachsen in unnormale Richtungen. Das kann zu Verletzungen der Maulschleimhäute oder gar zum Gefangenhalten der Zunge durch die unteren Prämolaren führen (=Brückenbildung). Darauf haben die Degus Fressschwierigkeiten.
Die Zähne der Degus, wie allgemein unserer geliebten Nagetiere sollten niemals geschnitten werden. Es gibt leider immer noch Tierärzte die alte Methoden anwenden um die Zähne zu kürzen. Daher vor jeder Operation, immer nachfragen. Anzeichen von allgemeinen Zahnproblemen sind:
- Vorliebe für weiches Futter-
- Speicheln
- Zähneknirschen
- Verlieren von Futter aus dem Mäulchen
- Gewichtsverlust
- Niesen
- Flüssigkeit tritt aus der Nase
- Druck auf den Augen, Tränen
- Langes drehen des Futters
- Nase putzen
- Krümeln
- Langsames fressen
- Verbuddeln und verstecken der Nahrung
Schneidezähne sind leicht zu untersuchen, wogegen die Untersuchung der Backenzähne sehr viel schwieriger ist.
In den meisten Fällen erfordert die Untersuchung der Backenzähne und der Maulschleimhäute eine Narkose.
Die Behandlung von Zahnerkrankungen bei Degus hängt von der Art und Schwere der Erkrankung ab. Sie zielt darauf, eine annähernde Herstellung von normaler Anatomie und Funktion zu erreichen.
Was ist zu tun und welche Behandlungstechniken gibt es?
Einen Tierarzt aufsuchen. Es gibt leider immer noch viele Tierärzte die den Degu zu wenig kennen. Jedoch heisst dies nicht, dass er nicht kompetent genug ist. Am besten strebt ihr einen Arzt an, der sich auf Zahnprobleme spezialisiert hat. Auch wen er vielleicht noch nie einen Degu vor der Linse hatte, sollten alle kompetenten Tierärzte das Nagergebiss kennen, und Wissen wie man am besten vorgeht.
- das Schleifen der Zähne auf normale Länge und Größe
- das Extrahieren von erkrankten Zähnen
- Schmerzbehandlung
- Entzündungsbehandlung
- Infektionsbehandlung
In einigen Fällen kann die Zugabe von raufaserhaltigem Futter (Grasheu) helfen, die Zähne in der richtigen Länge zu halten.
Meistens sind Zahnprobleme nichts einmaliges. Halter müssen mit mehreren Sprechstunden rechnen um ein Problem zu lösen, wenn nicht gar das ganze Leben eines Tieres. Die kosten können jeweils variieren, je nach Aufwändigkeit. Lassen sie sich von ihrem Tierarzt beraten, denn ihm steht jeweils nicht der Halter sondern das Leben des Tieres im Vordergrund.
Nach einer Behandlung wird meist mittels Spritze einen Brei gegeben. Sobald die kleinen auf den Geschmack gekommen sind, werden sie den Brei von sich aus aufnehmen. Jedoch legt ihnen immer noch vom normalen Futter in den Käfig. Sie werden früher oder später,je nach dem was bei den Zähnen gemacht wurde, wieder das normale Futter aufnehmen. Weiteres wird euch der Tierarzt mitteilen.
Erfahrungen
Ich hatte einen grossen Verlust bei meinen beiden Degudamen die kaum 2 Jahre alt wurden und leider auch nichts mehr zumachen war.
Symptomen Degudame Sula:
- 1.) Auffälliges Niesen
- 2.) Chronisches vielfaches Niesen
- 3.) Rechtes Auge teilweise verklebt
- 4.) Mit dem Mund am Atmen ( Als wäre die Nase verstopft)
- 5.) Futterkrümel
- 6.) Gewichtsabnahme
- 7.) Futter Verweigerung
- 8.) Geblähter Bauch
- 9.) Nur noch Brei Aufnahme
- 10.) Keine Futteraufnahme
- 11.) Nicht mehr aktiv
Wir besuchten vier verschiedene Tierärzte, doch leider konnte niemand der vier meiner Sula helfen, geschweige herausfinden was genau das Problem ist. Erst bei der fünften Tierärztin, als ich sie von ihren Qualen erlöste, wollte sie ein Röntgenbild von ihrem Kopf machen. Da war klar ersichtlich, dass die Zahnwurzeln bereits die Nase und den Schädel erreicht hatten. Daraufhin liess ich ihre Schwester Isa röntgen, genau dasselbe. Das vermehrte Niesen von Isa ist bereits eingetreten und die Tierärztin, schleifte daraufhin jeden Monat die Zähne zurück. Isa wurde leider nur 2 Jahre alt und 2 Monate. Auch hier endete es mit grosser Gewichtsabnahme und Verweigerung von Brei. Falls solche Symptome auftreten sollten, und der Tierarzt nichts an den Backenzähnen erkenne kann, ausser vielleicht eine Schiefstellung, bittet um ein Röntgenbild . Diese Art von Erkrankung liegt leider nicht immer nur am Halter, sondern kann auch genetisch bedingt sein.
Ein grosser Dank an Maya Dolder für die Bilder und Sabine Rüfenacht für die Informationen, weiterhin viel Erfolg fürs Staatsexamen des Tiermedizinstudiums





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