
Krankheiten
Wichtige Hinweise
Auch wenn Menschen und Tiere nicht dieselbe Sprache sprechen, können wir als Tierhalter anhand von Zeichen, Stimmung und Verhalten sehr gut erkennen, wie es unseren Tieren geht.
Ernährung, Platz, Einrichtung sowie Hygiene sind wesentliche Bestandteile, um das Leben eurer Degus so angenehm und lang wie möglich zu gestalten.
Ich rate jedem Tierhalter – egal ob Nager, Reptil, Vogel, Hund oder Katze – seine Tiere genau zu beobachten. So lernt man sie besser kennen und erkennt schnell, wenn etwas nicht stimmt.
Eine wöchentliche Gewichtskontrolle sollte dabei selbstverständlich sein. Denn solange ein Tier frisst, wirkt es oft stabil – dennoch kann sich der Zustand schnell verändern.
Mögliche Anzeichen für Krankheiten können sein:
- Schweres Atmen oder auffällige Atemgeräusche
- Apathisches Verhalten (Degu ist ungewöhnlich ruhig, sitzt viel, sucht Wärme oder reagiert anders als sonst)
- Speichelfluss (z. B. bei Zahn- oder Zahnfleischproblemen)
- Nasenausfluss (Erkältung oder Zahnprobleme)
- Trübung der Augen (z. B. Grauer Star oder Diabetes)
- Humpeln (Verletzung, Bruch oder Krämpfe)
- Verkrustete Ohren
- Weicher Kot
- Häufiges Kratzen oder schuppiges Fell
Degus bauen bei Krankheiten sehr schnell Gewicht ab. Deshalb sollten Stressfaktoren wie laute Geräusche, Katzen, Musik usw. möglichst vermieden werden.



Ebenfalls verlieren Degus sehr schnell Körpertemperatur. An kalten Tagen oder bei Krankheit kann eine geeignete Wärmelampe sinnvoll sein, um sie zusätzlich zu unterstützen.
Ich beziehe meine beispielsweise aus der Landi Schweiz. Eine Infrarot-Sparlampe ist dort bereits ab ca. 7.95 CHF erhältlich, eine passende Heizlampe mit 175 W ab etwa 17.95 CHF. Nagetiergerechte Produkte findet ihr zudem in vielen Zoohandlungen sowie online.
Kleine Hilfe
In dieser Zeit könnt ihr euer Tier mit dem Produkt RodiCare Instant etwas päppeln. RodiCare Instant enthält lebenswichtige Vitamine und Mineralstoffe. Durch den hohen Vitamin-C-Gehalt unterstützt es die Versorgung der Tiere zusätzlich.
Der hohe Rohfaseranteil fördert zudem die Verdauungstätigkeit, trägt zu einer gleichmässigen Abnutzung der Zähne bei und unterstützt die lebensnotwendige Darmflora.
Dieses Produkt erhält ihr beim Tierarzt oder online hier: Fellnasen-Shop RodiCare Instant
Das Pulver wird mit Wasser angerührt, wodurch eine grünliche, breiige Masse entsteht, die oft stark nach frisch gemähtem Gras riecht. Meine Tiere mögen es sehr gerne. Ich füttere es bei Bedarf etwa einmal pro Woche.
Achtet bei Erkrankungen zudem besonders auf eine ausreichende Wasserversorgung und hochwertiges Futter. Heu ist dabei der wichtigste Bestandteil der Ernährung.
Falls euer Tier die selbständige Nahrungsaufnahme verweigert, könnt ihr beim Tierarzt kleine Spritzen ohne Nadel besorgen. Wickelt euren Degu vorsichtig in ein Handtuch (zur sicheren Fixierung), um ihm die Nahrung langsam mit der Spritze zu verabreichen. Zu zweit funktioniert das in der Regel deutlich besser.
Legt das Tier während der Fütterung nicht auf den Rücken, da es sich sonst verschlucken könnte.



Zahnkontrolle
Die Kontrolle der Zähne ist oft einer der schwierigsten Bereiche. Die Vorderzähne (Schneidezähne) könnt ihr in der Regel gut selbst beobachten. Haltet dazu ein Leckerli über den Kopf des Degus. Da er es nicht aus den Augen verlieren möchte, richtet er seine Nase automatisch nach oben und ihr erhaltet einen guten Blick auf die Schneidezähne.
Die Zähne müssen so aufeinander stehen, dass sie sich gleichmässig abnutzen können. Die Vorderseite der Schneidezähne sollte gelb bis orange gefärbt sein. Bei schief wachsenden oder zu langen Zähnen sollte unbedingt ein Tierarzt aufgesucht werden. Zähne bei Nagetieren dürfen niemals selbst gekürzt werden, sondern nur fachgerecht geschliffen werden.
Die Backenzähne sind deutlich schwieriger zu kontrollieren. Diese sollten regelmässig vom Tierarzt überprüft werden, da sie tief im Maul liegen und für Laien kaum sichtbar sind.
Wenn überhaupt, sollte eine kurze Sichtkontrolle nur sehr vorsichtig und stressfrei erfolgen – und nur durch Fachpersonen empfohlen werden. Unsachgemässe Versuche können das Tier verletzen oder stark stressen.
Krankheiten/ Verletzungen
Kleine Notfallapotheke
Um entsprechend Handeln zu können solltet ihr folgende Utensilien immer im Haus haben.:
- Küchenwaage dient zur Kontrolle des Gewichtes
- Heizstein oder Wärmelampe um die Körpertemperatur stabil zuhalten
- Desinfektionsmittel bei Kratzer oder Bissen
- Spritzen ohne Nadeln zum päppeln
- Separaten Käfig/Aquarium falls es zu starken Auseinandersetzungen kommt um die Tiere zu trennen
Symptome:
Apathisches Verhalten, verklebte oder feuchte Nase, häufiges Niesen, starke Flankenatmung.
Was ist zu tun:
Sofort einen Tierarzt aufsuchen. Lungenentzündungen können lebensbedrohlich sein.
Symptome:
Gesträubtes oder ungepflegtes Fell kann auf Langeweile, hohes Alter oder Krankheiten hinweisen. Kahle oder schorfige Stellen mit starkem Kratzen deuten oft auf Parasiten- oder Pilzbefall hin.
Was ist zu tun:
Tierarzt aufsuchen. Zusätzlich Käfig gründlich reinigen und eventuell Einrichtung gemäss tierärztlicher Empfehlung ersetzen.
Kahle Stellen im Nackenbereich entstehen häufig durch übermässiges Putzen innerhalb der Gruppe. Solange keine offenen Wunden oder Blutungen vorhanden sind, ist dies meist unproblematisch.
Symptome:
Der Penis lässt sich nicht mehr selbstständig oder manuell zurückziehen.
Was ist zu tun:
Dies ist sehr schmerzhaft und kann zu schweren Infektionen führen. Das Tier separat halten und als Einstreu weisses Papier verwenden. Sofort einen Tierarzt aufsuchen.
Symptome:
Zu lange Krallen, eingeschränkte Bewegung oder ungünstiger Gang.
Was ist zu tun:
Steine und Sand im Gehege kann helfen, die Krallen natürlich abzunutzen.
Symptome:
Weicher Kot.
Was ist zu tun:
Meist ernährungsbedingt kann aber auch stressbedingt sein. Leckerlis reduzieren und nur leicht verdauliche Naturkost anbieten. Bei längerem Auftreten Tierarzt aufsuchen. Wichtig: Degus sollten in dieser Zeit genug trinken.
Symptome:
Harter, stark gespannter und rund wirkender Bauch. Nicht darauf drücken!
Was ist zu tun:
Kann durch falsche Ernährung oder Medikamente entstehen. Tierarzt aufsuchen. Unterstützend kann Kamille zur Beruhigung des Verdauungssystems angeboten werden.
Symptome:
Abgegrenzte, oft geschwollene Eiteransammlungen unter der Haut. Ursachen können Bissverletzungen, Zahnprobleme oder Verletzungen sein.
Was ist zu tun:
Muss meist vom Tierarzt eröffnet und behandelt werden.
Symptome:
Wunden durch Rangkämpfe oder Einrichtung im Käfig.
Was ist zu tun:
Sandbad entfernen, damit kein Schmutz in die Wunde gelangt. Vorsichtig mit warmem Wasser reinigen und ggf. ein mildes Desinfektionsmittel (z. B. vom Tierarzt empfohlen) verwenden. Bei grösseren Wunden Tierarzt aufsuchen.
Ob eine Trennung notwendig ist, hängt vom Verhalten der Gruppe ab. Wird ein Tier dauerhaft attackiert, sollte der Aggressor vorübergehend getrennt werden, um Stress zu reduzieren. Eine spätere Wiedereingliederung ist oft möglich.
Symptome:
Humpeln oder Schonverhalten über mehrere Tage. Brüche sind nicht immer sofort erkennbar, da Degus Schmerzen oft lange verbergen.
Was ist zu tun:
Laufrad und Klettermöglichkeiten entfernen, um Bewegung zu reduzieren. Ein Tierarzt sollte konsultiert werden, idealerweise mit Röntgen zur sicheren Diagnose. In vielen Fällen heilen kleinere Brüche von selbst, dennoch ist eine tierärztliche Kontrolle wichtig.